Von Bienen und Blumen

Summ, summ, summ, Bienchen summ herum… Zu Gast in Sarah Wieners Speisezimmer zeigen die Bienenexperten Agnes Flügel und Michael Grolm, dass unsere kleinen Helfer in Gefahr sind und dass uns das lieber nicht egal sein sollte.

In Deutschland sind 75% der Blütenpflanzen auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, 85% davon werden von Honigbienen bestäubt. Ein einziges Bienenvolk besucht über 50 Millionen Blüten in einem Jahr und sammelt dabei 15-20 kg Pollenkörner. Die Honigbiene und ihre 19.000 verwandten Arten garantieren durch ihre Arbeit die pflanzliche Artenvielfalt und sichern damit die Nahrungsgrundlage für viele Tiere und für uns Menschen. Denn das Überbringen des Pollens von einer Blüte zur anderen – ob durch Bienen, andere Insekten oder Wind – löst bei den Pflanzen die Samen- und Fruchtbildung aus. So entsteht all unser Obst, Getreide und Gemüse – von A wie Apfel bis Z wie Zucchini.

Für die globale Landwirtschaft haben Bienen durch ihre Bestäubungstätigkeit einen jährlichen Nutzen von rund 300 Milliarden Euro. Leider bringt diese Tatsache aber keineswegs eine bienenfreundliche Landwirtschaft hervor. Sind die Bienen zu klein für eine würdige Lobby?

Die Subventionen in der industriellen Landwirtschaft werden nach Hektar und nicht nach Arbeitskräften gewährt. Das hat zur Folge, dass immer größere Flächen, mit immer weniger Menschen und immer mehr Technik bewirtschaftet werden. Effizient sind in diesem System großflächige Monokulturen. Diese führen aber zu einem drastischen Rückgang der Artenvielfalt und nehmen so den Bienen Lebensraum und Nahrungsgrundlage. Viele Bienen müssen hungern oder sind mangelernährt. Eine weitere Gefahr für die Bienen und ihre Brut sind außerdem die systemischen Insektizide und chemischen Schutzüberzüge für Saatgut, mit denen die Schädlinge in der monokulturellen Anbauweise bekämpft werden.

Kann mithilfe von Gentechnik ein besseres Landwirtschaftssystem etabliert werden? Versprochen werden immerhin die Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln, umweltschonende Anbaumöglichkeiten, höhere Gewinne für die Landwirte, eine Steigerung der Erträge und die Bekämpfung des Welthungers. Das von diesen Versprechen leider nichts übrig bleibt, zeigen in aller Kürze Mellifera e.V. oder auch Greenpeace auf.

Ökologisch besonders problematisch ist die Auskreuzung gentechnisch veränderter Pflanzen. Zum Beispiel hat Raps eine ganze Reihe von verwandten Kultur- und Wildpflanzen, auf die er auskreuzen kann (verschiedene Senfarten, Kohlarten, Rübsen und Hederich). Wenn sich gentechnisch veränderte Pflanzen einmal auf andere Pflanzen ausgekreuzt haben, ist das nicht mehr rückgängig zu machen. Dies führt langfristig zur Verdrängung der ursprünglichen Arten.

Darüber hinaus macht der Einsatz von Agro-Gentechnik einen gentechnikfreien Anbau und Ökolandbau in der Nachbarschaft unmöglich, denn Bienen halten sich nun mal nicht an Abstandsregeln. Für Konsumenten gentechnikfreier Lebensmittel ist das keine schöne Perspektive und für Berufsimker wie Michael Grolm ist es eine Bedrohung der Existenzgrundlage. Denn Honig verliert seine Verkehrsfähigkeit, wenn er Pollen von nicht als Lebensmittel zugelassenen gentechnisch veränderten Pflanzen enthält.

Gewinner im Geschäft mit der Gentechnik sind mal wieder die großen Konzerne. Der Agrarkonzern Monsanto zum Beispiel ist im Besitz von 90% aller genetisch veränderten Pflanzen weltweit und stellt auch gleich die passenden Pestizide und Herbizide her. Darüber hinaus schafft der Konzern mittels Patentierung seiner entwickelten Gentechnik-Pflanzen eine neue Form der Abhängigkeit in der Landwirtschaft und sichert sich die entsprechenden Lizenzgebühren. Der Bauer verfängt sich in einem Kreislauf: für seine großflächigen Monokulturen verzichtet er auf die kostenlosen Samen seiner Pflanzen und kauft stattdessen genetisch verändertes Saatgut. Das wiederum erfordert den Einsatz von massiver Technik und auf die Genpflanzen abgestimmte Chemikalien. Mit dieser Bewirtschaftungsweise wird das Ökosystem aus dem Gleichgewicht gebracht – es werden Luft und Wasser verschmutzt, Nützlinge geopfert und alles Leben im Boden zerstört. Da sich Gen-Saatgut natürlich nicht selbst vermehrt, geht im nächsten Jahr alles wieder von vorne los. Bei Monsanto klingelt die Kasse und der Bauer rutscht tiefer in die Abhängigkeit. Kein Wunder also, dass Monsanto 1999 sein Firmenziel wie folgt formulierte: „Innerhalb von 15 bis 20 Jahren soll weltweit sämtliches Saatgut gentechnisch verändert sein.“ Na wunderbar, bis dahin bleiben also noch 2 bis 7 Jahre.

Längst ist eine Landwirtschaft geboten, die eine Bestäubung durch Bienen sichert und damit die langfristige Erhaltung von Ressourcen, genetischer Originalität und Artenvielfalt zum Ziel hat. Es geht um eine Landwirtschaft, die nicht nur den Bienen, sondern der gesamten Schöpfung Respekt entgegen bringt!

PS: Neonicotinoide sind Gift für unsere Bienen, werden aber nach wie vor massiv in der Landwirtschaft eingesetzt. Hier könnt Ihr eine Petition an die Bayer Aktionäre unterschreiben, die bewirken soll, dass Bayer – als weltweit größter Hersteller – die Produktion und den Verkauf dieser Insektizide einstellt.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Umwelt abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s