Stirb und werde!

Ostern ist vorbei. Die bemalten Eier sind wieder in der Kiste, die Schokolade ist aufgegessen und die Forsythien in der Vase sind verblüht. Das Osterfeuer ist längst erloschen und doch ist da noch etwas wärmende Glut in mir.

Zu Ostern feiern wir den Tod und die Wiederauferstehung von Jesus – so weit so gut. Hat aber das höchste und älteste Fest der Christen für unseren Alltag heute noch eine Bedeutung? Ist es mehr als ein „Osterspaziergang“ in der freien Natur, die gerade aus dem Winterschaf erwacht? Geht es – um bei Goethe zu bleiben – vielleicht sogar um „Stirb und werde!“?

Wenn wir etwas in uns sterben lassen, etwas überwinden, etwas loslassen, dann kann Neues entstehen. Nehmen wir mal an, in jedem von uns und in allem was lebt, steckt etwas Göttliches. Alles hat einen tieferen Sinn. Dann können wir die Herausforderungen und Krisen unseres Lebens als Chancen sehen, die uns Möglichkeiten bieten zu wachsen, loszulassen und Ängste zu überwinden. Dann gehört „Sterben“ zum Leben – ob am Ende unseres Lebens oder mitten in unserem Alltag.

Wir Menschen sind nur ein ganz kleiner Augenblick auf der Zeitskala allen Seins und dennoch glauben wir ganz anthropozentrisch der Mittelpunkt der Welt zu sein. Wir unternehmen einen riesigen Kraftaufwand, den Fluss des Lebens aufzuhalten oder Verlauf und Geschwindigkeit zu ändern. Wir wollen unser Leben kontrollieren und unsere Mitwelt verändern. Und doch gelingt es uns meist nicht. Vielmehr geht uns in dieser Kraftanstrengung das Gespür für uns selbst und das größere Ganze, in das wir eingewoben sind, verloren.

Unser Einfluss ist beschränkt und geht selten über uns selbst hinaus. Aber ist das nicht mehr als genug? Wir können lernen, Verantwortung für uns selbst zu übernehmen und die Haltung zu ändern, mit der wir Dinge tun. Wir können lernen, gut für uns zu sorgen – ohne um uns selbst zu kreisen. Wir können lernen, andere in den Blick zu nehmen und sie auf ihren eigenen Wegen zu ermutigen.

Der Schlüssel zu Glück und Zufriedenheit liegt wohl im Augenblick. Hier ist das, was gerade ist und hier sind wir, wie wir gerade sind. In dem Glauben, dass alles einen tieferen Sinn hat, können wir lieben, was ist. Wir können Ruhe geben und aufhören zu kämpfen und uns abzustrampeln, sondern unsere Energie auf die Dinge richten, die wir beeinflussen können. „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“  (Reinhold Niebuhr)

Wenn wir – statt zu meckern und zu bewerten, statt uns immer wieder abzulenken – in unserer Welt wirklich hinschauen, unserem Gegenüber wirklich zuhören und in uns wirklich da sind, dann können wir loslassen und überwinden. Dann können wir neu werden. Dann bietet sich ein Abenteuer bei vollem Bewusstsein.

Wir selbst können unser Leben umgestalten – auf Sinnlichkeit, Tiefe, Stille und Heiterkeit hin.

Stirb und werde neu!

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