Ein Glas Wasser

Gut zwei Drittel unseres Planeten sind mit Wasser bedeckt, aber nicht einmal 1% davon steht uns als Trinkwasser zur Verfügung. Während weltweit der Trinkwasserverbrauch doppelt so schnell wächst wie die Bevölkerung, verringern sich die Vorkommen dramatisch. Obgleich die Versorgung mit sauberem Trinkwasser als ein Menschenrecht definiert ist, steht dieses Gut nicht kostenfrei und schon gar nicht für jeden zur Verfügung. Mehr als 1 Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Für die multinationalen Konzerne der Industrienationen, die längst in das Milliardengeschäft der Zukunft eingestiegen sind, rechnet sich die Versorgung der Armen schlichtweg nicht. Wasser – die Grundlage allen Lebens – ist zum Objekt des Welthandels geworden, mit einem Jahresvolumen von 150 Milliarden Dollar. Die ökonomisch gesteuerte Verteilung, Verwendung und Verfügbarkeit von Wasser sowie deren Verschmutzung führen zu schweren sozialen und ökologischen Folgen.

In Deutschland haben wir wunderbarerweise eine flächendeckende Wasserversorgung und eine vergleichsweise hohe Wasserqualität. Allerdings ist auch hierzulande unser stets erfrischendes Glas Wasser in Gefahr. Schon vor 30 Jahren wurden in Deutschland vielerorts erhöhte Werte vom krebserregenden Nitrat im Grund- und Trinkwasser ermittelt. Grund war eine unkontrollierte Stickstoff-Düngung auf vielen Ackerböden und in Kleingärten. Heute werden in Deutschland bereits eine Million Menschen mit Wasser versorgt, das mit mehr als 10 µg Uran/l belastet ist – die natürliche Uran-Belastung in Oberflächengewässern liegt im Schnitt bei 0,33 µg/l. Grund ist diesmal die Verwendung von phosphorhaltigem Mineraldünger in Landwirtschaft und Gartenbau. Bei mineralischen Düngern gibt es für Uran weder einen Grenzwert noch eine Kennzeichnungspflicht.

Um Wasser und Böden zu schützen und die Anreicherung von Uran in der Nahrungskette zu verhindern, könnte organischer Dünger verwendet werden, der 10 Mal weniger Uran enthält als Mineraldünger. Eine gesetzliche Regelung ist längst überfällig. Wie beruhigend, dass unsere liebe Frau Aigner aber keinen Handlungsbedarf sieht… Derzeit gelangen pro Jahr weit mehr als 100 Tonnen Uran in unsere Böden und damit ins Grundwasser. Da sich das Grundwasser sehr langsam bewegt, wird die düngungsbedingte Uranwelle erst in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in unserem Trinkwasser ankommen. Der Urangehalt wird in Zukunft also weiter ansteigen. Die politische Antwort ist die Anhebung des Uran-Grenzwertes. Dieser lag bis 2004 bei 2 µg/l – ein Grenzwert, der Erwachsene, vor allem aber auch Säuglinge und Kleinkinder ausreichend schützte. Dann wurde er von der Weltgesundheitsorganisation auf 15 µg/l erhöht. Deutschland hat Ende 2011 zwar einen unterdurchschnittlichen Grenzwert von 10 µg/l eingeführt, aber trotzdem den Schutz von Säuglingen und Kleinkindern damit aufs Spiel gesetzt. Uran kann erbgutschädigend wirken und Krebs auslösen. Funktionsstörungen von Lunge und Leber, Herzschwäche und die Beeinträchtigung der Nierenfunktion können weitere Folgen sein.

Sauberes Trinkwasser ist leider nirgendwo mehr eine Selbstverständlichkeit – aus ganz verschiedenen Gründen. Aber hier wie dort beruhen die Spannungen um den Zugang zu sauberen Wasser vor allem auf der Art und Weise der globalen Güterproduktion und damit am Ende auf unserer aller Lebens- und Konsumgewohnheiten.

So ist beispielweise der Wasserverbrauch für die Erzeugung vieler Produkte derart intensiv, dass dafür eigene Kategorien entwickelt wurden. Man unterscheidet in grünes, blaues und graues virtuelles Wasser. Als grünes Wasser werden natürliche Niederschläge und die Bodenfeuchtigkeit bezeichnet, blaues Wasser steht für eine künstliche Bewässerung und graues Wasser symbolisiert belastetes Wasser. 70% unseres Trinkwassers wird durch die Landwirtschaft verbraucht. Es gehört – durch die das Grundwasser verseuchenden Dünger und Pflanzenschutzmittel – in die problematische blau-grau-Zone.

Für ein Rindersteak werden zum Beispiel 3000 Liter Wasser verbraucht. Dazu zählt auch das Trinkwasser für das Tier und die Erzeugung des Tierfutters. Die gesamten, ans Vieh verfütterten Mengen an Getreide und Hülsenfrüchte könnten drei Milliarden Menschen ernähren – absurd, denn derzeit leiden eine Milliarde Menschen Hunger…

Den virtuellen Wasserverbrauch verschiedener Produkte und Ansätze für einen wasserschonenden Einkauf findet ihr unter: http://www.virtuelles-wasser.de/ratgeber.html. Als grundsätzliche Konsumempfehlungen werden Folgende genannt: 1. besser planen, weniger wegwerfen, 2. aufwändig verpackte Waren meiden, 3. bio statt konventionell, 4. Lebensmittel der Region bevorzugen, 5. die Jahreszeit nutzen.

Ob globale Wasserversorgung, Wasserbelastung durch Folgen konventioneller Landwirtschaft und Industrie oder virtueller Wasserverbrauch – eines liegt all diesen verschiedenen Perspektiven zugrunde: Wasser ist die kostbare Quelle unseres Lebens!

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