Stadtkind mit Garten

Ich bin ein Berliner Stadtkind mit einem Daumen, der alles andere als grün ist. Konsequenterweise bin ich nun stolze Besitzerin eines kleinen Gartens um die Ecke. Wenn schon Garten, dann versuche ich mich auch gleich an einem Biogarten. Der grüne Daumen kann ja noch werden… Ich informiere mich, lese in Marie-Luise Kreuters Buch „Der Biogarten“.

Ich habe Lust auf frisches Obst und Gemüse alter Sorten, ich habe Lust zu säen, zu pflegen, zu beobachten, zu ernten. Ich habe Lust auf Brennnesseljauche und Kräuterbrühe, Lust auf Kompostieren und Mulchen. Ich habe Lust meine Hände in der Erde und mein Herz im Himmel zu haben.

Die Gärten unserer Großmütter wurden alle biologisch bestellt und haben köstliche Ernte eingebracht. Diesen Geschmack wünsche ich mir zurück! Ich brauche dafür biologisches Saatgut, einen Kompost aus besten Zutaten und natürlichen Dünger. Und ich brauche Geduld – eine gute Übung für mich!

Biologisches Saatgut habe ich bei Dreschflegel bestellt. Die Tomaten- und Erdbeersamen ziehe ich gerade auf dem Küchenfensterbrett an. Als nächstes sind die Möhren dran, gefolgt von Erbsen, Kürbissen, Gurken, Kräutern und Salaten. Ich verzichte auf Experimente und beginne mit den Klassikern.

Der Kompost ist neu gebaut und genießt ein geschütztes Plätzchen hinter dem Schuppen. Um besten Humus zu erzielen, muss ein Kompost komponiert werden, wenn ausreichend Material vorhanden ist: Erst eine Schicht aus dünnem Gehölz, dann ein Gemisch aus zerkleinerten Küchen- und grünen Gartenabfällen, das durch Erde in Schichten getrennt und mit Steinmehl gedüngt wird. Dann die letzte Schicht aus Gras, Laub oder Stroh als Schutz und Wärmespeicher. Jeder Kompost braucht Luft und Feuchtigkeit und ein 30:1 Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis, um den Mikroorganismen ihre Arbeit zu erleichtern. Reif ist der Kompost nach 9-12 Monaten und kann dann in die Saatrillen und Pflanzlöcher gegeben werden. Nach bereits 2-3 Monaten dient der halbreife Kompost als Mulch für die Gemüsebeete.

Der beste Dünger für Pflanzen und Kompost ist Brennnesseljauche. Dafür brauche ich nicht mehr als ein Fass, Brennnesseln und abgestandenes Regenwasser. Nach 2-3 Wochen Gärung und täglichem Durchrühren hat sich die Jauche zum perfekten Pflanzenaufbaumittel entwickelt.

Der Geschmack meines Gemüses fängt mit dem richtigen Samen an und wird maßgeblich auch durch die Bodenqualität beeinflusst. Statt umzugraben reicht es, den Boden oberflächlich zu lockern, biologisch zu düngen und durch Mulch vor Sonne, Wind und Regen zu schützen. So vergeht dem Unkraut die Lust am Wachsen und die Regenwürmer machen mit ihren kleinen Helfern Party.

Eine neue Begeisterung für die wunderbaren Vorgänge in Flora und Fauna wächst in mir und erwartet den Tag, an dem die Saat aufgeht. Der Biss in die Früchte meines Gartens schmeckt am Ende auch nach meiner Ausdauer und Liebe – genial!

So blicke ich auf ein paradiesisches Stück Garten, das mich von nun an daran erinnern wird, wie Obst und Gemüse wirklich schmecken sollte. Der richtige Same im richtigen Boden – wie gut wäre diese Kunst wieder als Basis aller Nahrungsmittelerzeugung!Gesunde Pflanzen sind für uns Menschen Heilpflanzen. Viele Wohlstandskrankheiten und Arzneimittel sind unserer mangelhaften Überflussernährung geschuldet. Wählen wir statt der Holland-Tomate aus dem Supermarkt lieber wieder eine sonnengereifte Gartentomate. Für Stadtkinder mit und ohne Garten lohnt sich hier ein Blick: http://www.solidarische-landwirtschaft.org/angebot

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Eine Antwort zu Stadtkind mit Garten

  1. Tobi schreibt:

    Marie-Luise Kreuter – das hat mir am meisten gefallen! Da bleibt einem kaum mehr übrig im Leben, als ein Biogarten-Buch zu schreiben. Aber abgesehen davon: Der Geschmack des Gemüses fängt doch eher mit der Sonne an! Die biologischen Waffen aus Holland schmecken doch vor allem deshalb so beschissen, weil sie im Kiesbett unter einer Plastikfolie gedeihen müssen, mit der Jan Käsekopp den Großteil seines merkwürdigen Landes abgedeckt hat.
    Hier in Griechenland schmeckt das Gemüse super! Und das, obwohl Bio hier keine nenneswerte Rolle spielt – das kommt vielleicht einmal später – nach der Industriealisierung. Aber es gibt eben viel, viel Sonne!
    Aber mach ruhig weiter mit dem Garten! Es macht den Kopf frei, ist eine gute Alternative zur grassierenden Smartphonie, und bei der nächsten Wirtschaftskrise habt Ihr die Grundlage für eine gute Subsistenzwirtschaft – so wie die Griechen jetzt!

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