Let’s fix it!

Das Ladegerät meines Handys gibt seinen Geist auf. Ich kaufe ein Neues. Nach einem guten Jahr versagen Display und Tastatur. Jetzt habe ich zwei kaputte Handys. Wunderbar!

Problem Nr. 1: Um eine Marktsättigung zu vermeiden, werfen Firmen wie Apple kurzlebige Produkte auf den Markt, bei denen mindestens einer der Bestandteile sehr anfällig ist. Wir leben in einem System aus Wegwerfwaren.

Problem Nr.2: Eine technische Notwendigkeit für einen Neukauf gibt es oft nicht. Durch glanzvolles Marketing werden wir dazu gebracht, freiwillig das Neue besitzen zu wollen. Und wieder: Wir leben in einem System aus Wegwerfwaren.

So weit so gut, würden all die Neugeräte aus ökologischer, sozialer und ökonomischer Sicht nachhaltig produziert werden! Leider ist dem aber nicht so.

Der Mensch wird von Apple und Co. als „Materialeinsatz“ kalkuliert und sein Verschleiß wird billigend in Kauf genommen.  Die grausamen Arbeitsbedingungen bei Apple kosten nicht Wenigen das Leben.

Schon für den Abbau der Rohstoffe für unsere Chips und Akkus werden Menschen unter katastrophalen Arbeitsbedingungen ausgebeutet. In unseren Handys sind Rohstoffe aus aller Welt. Diesem komplexen Herstellungsprozess fällt – neben dem Menschen – auch die Natur zum Opfer. Der Energieaufwand ist enorm und führt zu schweren ökologischen Schäden.

Haben wir nach Kürze Lust auf was Neues, kurbeln wir den Teufelskreis weiter an. Unseren Müll laden wir auf riesigen Müllhalden in trostlosen Gebieten auf der anderen Seite der Welt ab. In den Armutsländern suchen vor allem Kinder in unserem abgeladenen Elektroschrott nach wiederverkäuflichen Material. Dabei kommen sie unweigerlich mit gefährlichen Chemikalien in Berührung. Die Müllhalden von Ghana geben ein trauriges Bespiel.

Wertschätzendes Recycling und maßvoller Konsum kommen uns nicht in den Sinn – obgleich unsere Hightech-Industrie im empfindlichen Maße von Rohstoffimporten abhängig ist. Wir ignorieren lieber, dass China drastisch die für Deutschland wichtigen Exporte von Seltenen Erden kürzt.

Es muss sich etwas ändern.

Die beiden Studenten der Ingenieurwissenschaften, die ifixit.com ins Leben gerufen haben, nehmen diese Verantwortung auf kluge Weise ernst.

Sie geben auf einer Web-Plattform multimedial aufbereitete Anleitungen zum Reparieren von verschiedenster Technik. Eine geniale Idee! Noch steckt sie in den Kinderschuhen, aber das Lösungsspektrum gerade für iPhones wächst täglich.

Für jede Lösung wird der Schwierigkeitsgrad angegeben, die benötigte Zeit und die entsprechenden Werkzeuge, die mit einem Klick direkt bestellt werden können (wenn der eigene Hammer mal fehlt). Bilder und Abbildungen leiten Schritt für Schritt durch die Self-Made-Reparatur.

Mein Handy ist kaputt. Ich habe nichts zu verlieren. So wage ich den Versuch. Warum wegschmeißen, wenn mich der Spaß am Basteln und Schrauben packen kann. Mit meinen beiden „Alte Schinken – Modellen“ bin ich allerdings nicht weit gekommen, aber aufgeschraubt und genau betrachtet habe ich sie zumindest beide. Das hatte immerhin einen gewissen Abenteuerfaktor.

Nun gut, aber Angucken repariert nicht. Meine Möglichkeiten:

1. Ohne Handy auskommen. Quatsch!

2. Smartphone kaufen. Nein, siehe oben!

3. Wieder ein einfaches Billighandy kaufen, das in Kürze den Geist aufgeben wird. Nein, ich bin ja noch lernfähig!

4. Ein gebrauchtes Handy kaufen. Keine schlechte Idee!

In jedem Haushalt fliegt irgendwo ein altes Handy rum. Meist in bester Ordnung, nur eben nicht mehr neu. Egal wie alt, groß oder hässlich: ich würd‘s nehmen und dafür zahlen. Da mag ich auch den Old School-Look. Ich brauche keinen Schnickschnack – Hauptsache ich kann telefonieren. Das erste Angebot gewinnt!

Alle, die es nicht schaffen, mir ihren alten Knochen anzudrehen, können diesen bei so manch einer gemeinnützigen Organisation abwerfen. Der Gewinn aus dem Recycling kommt dann sinnvollen und nachhaltigen Projekten zugute.

We should fix it!

PS: Wie sehr die geplante Obsoleszenz unser Leben bestimmt, seht Ihr im Film „Kaufen für die Müllhalde„.

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Eine Antwort zu Let’s fix it!

  1. amasonnenregen schreibt:

    Liebes Veilchenblau,

    http://www.extremnews.com/nachrichten/wirtschaft/321213cf5195bb6

    schau nur, dieser Link – auch mit dem Reparieren wirds schwierig- viele Grüße

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