Ich bin einfach da

Seit spätestens 25 Jahren glaube ich nicht mehr an den Weihnachtsmann. Dennoch werde ich bis heute immer wieder gern gefragt, ob ich einen fleißigen Weihnachtsmann hatte. Jedes Mal bin ich verdutzt und es dauert einige Sekunden bis ich antworte „Wir schenken uns nichts.“ Damit habe ich das Verdutztsein an mein Gegenüber abgegeben. Weihnachten ohne Geschenke? Wie trostlos! Was bleibt denn da?

Was da bleibt? Ich, ganz entspannt und ganz da. Ich muss nicht mehr in die bunten, beschallten, übervollen Einkaufszentren, muss nicht mehr Teil dieser absurden Materialschlacht sein. Ich kann meine Zeit im Advent ganz anders genießen, seitdem ich die lange Liste von zu Beschenkenden aus meinem Kopf verbannt habe…

Als nächstes sind all die To-Do-Listen dran, die sich in meinem Kopf breit machen. Ich will und kann sie nicht verbannen, aber ich kann sie auf ihren Platz verweisen. Advent heißt Ankunft. Es geht um die Ankunft von Jesus, aber es geht auch um das Ankommen bei mir selbst. Ich kann nicht still werden und bei mir ankommen, wenn es immer tausend Dinge zu tun gibt. Zeit für mich, für meine Seele – dafür muss ich da sein. DaSein! Das kann ich, wenn ich unter den Sternen oder am Feuer sitze, das kann ich bei einer Umarmung oder im Gespräch, das kann ich, wenn ich Yoga mache oder mich zu meinen Kindern auf den Boden setze und ihrem Spiel folge. Da sein kann ich, wenn ich im Kloster bin!

Ich meine nicht irgendein Kloster. Ich meine das Kloster, mein Kloster, das „Sehen wir uns im Kloster“ – Kloster, das Kloster der Offenheit, das Kloster der Einfachheit, das Kloster der Buntheit. Nicht unwahrscheinlich, dass dieses auch das Kloster von Jesus wäre. Es ist ein Ort, an dem Kinder zur Ruhe und Erwachsene in ihre Herzen finden. Ein Ort zum Seelebaumeln lassen, zum Loslassen, zum Ankommen, zum Neuwerden. Ich meine das Franziskanerkloster in der Wollankstraße.

Weihnachten lässt sich hier einfach gut feiern. Ohne viel Klimbim, aber mit viel Tiefe und Wärme. Hier wird Jesus in unseren Herzen geboren. Am Heiligen Abend um 23 Uhr in bunter Gemeinschaft in der kleinen Kapelle zusammen zu kommen, ist für mich jedes Jahr der Höhepunkt des Weihnachtstages. Es gibt ein lebendiges Anspiel, einen schönen Text, eine berührende Geschichte – auf jeden Fall etwas, das bewegt und vom Leben erzählt. Hier kann ich da sein!

Lauschen wir kurz noch Worten von Eugen Drewermann:

Einfach da

Immer denken wir, das Wesentliche müsse durch unsere Hände gemacht werden, wenn etwas Entscheidendes in unserem Leben sich ereignen solle, müssten wir etwas tun. Von früh auf bis spät sind wir bemüht, uns wichtig zu nehmen, immer angehalten von dem Glauben, dass es auf uns ankomme und dass wir Wesentliches verpassen würden, täten wir dieses oder jenes nicht. So geht der Alltag dahin, so verrinnen die Tage, so entschwinden die Jahre. Aber wer eigentlich sind wir? Wieviel Schönheit wird überlagert durch all das, was wir glauben an Pflichten erledigen zu müssen! Wieviel von der Zauberkraft unseres Herzens geht zugrunde an all dem Gestampfe, Gerenne, Getrete und Gelaufe in unserem Leben, am Platzbehaupten, Hinterherlaufen, Sich-selber-vorweg-sein! Wär‘ es nicht möglich, es reifte das, was wir sind, in unserer Tiefe, und wir könnten’s gar nicht erklüngeln, nicht beschließen, es wäre nur einfach da?

Auf ein „EinfachDaSein“!

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen gesegnete Weihnachten!

 

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