Tiere essen zum „Wow“-Preis

Vor kurzem kam mein Schwiegervater zu uns nach Hause. In der Tasche hatte er noch seine Post, darunter zwei Wochenzeitungen mit Werbebeilegern von Lebensmittelmärkten. Als ich nach seinem Besuch all die Werbung ungesehen in den Müll schmeißen wollte, sprang mir der „Wow“-Preis 3,99 Euro für ein Kilo Schweineschnitzel ins Auge. Was? Ich blätterte weiter durch ähnliche Spar-, Jubiläums- und radikal reduzierte Rotstiftpreise und entdeckte ein Kilo Putenbrust für 5,99 Euro, ein Kilo Schinkeneisbeine für 2,22 Euro, ein Kilo Hähnchenschenkel für 2,99 Euro etc. Angeblich alles Qualitätsfleisch…

Mir kamen all die absurden Details der Massentierhaltung in den Sinn, aus der in Deutschland rund 98% aller verzehrten Tiere stammen. Ich nahm wieder das Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer zur Hand. Ein Buch, dass ich schon lange lese und mit dem ich doch nicht fertig werde, weil ich das darin beschriebene Ausmaß der Grausamkeiten und der Perversion der Massentierhaltung nur scheibchenweise verdauen kann. Ein Buch, das Augen öffnet und Konsequenzen nach sich zieht. Ein Buch, das einen bekennenden Fleischesser vielleicht sogar zum Vegetarier macht – und einen Vegetarier unter Umständen zum Veganer…

Der „Wow“-Preis gehört nicht zu einem stinknormalen Tier. Wir alle wissen zwar, dass es um eine möglichst schnelle und billige Produktion geht. Und so wissen wir auch, dass die Tiere, die wir essen, nicht besonders viel Platz haben und unnatürliches Futter mit Medikamenten kriegen; wir wissen, dass Transport- und Schlachtmethoden nicht optimal sind. Wir wissen, dass die Tiere ein kurzes und wahrscheinlich nicht besonders glückliches Leben haben. Am Ende stellen wir uns absurderweise aber immer noch ein gesundes Tier vor.

Der „Wow“-Preis etikettiert aber leider ein krankes Tier. Bei Tieren aus Massentierhaltung, die zum „Wow“-Preis auf den Markt geworfen werden, sprechen wir von Tieren, deren Bewegungsfreiheit aufs Minimum reduziert ist. Das ist die wesentliche Grundlage für Krankheiten. Hinzu kommen eine genetische „Optimierung“ und eine Manipulation der Umweltbedingungen, um Wachstum und somit Produktivität aufs Maximale zu steigern. Beides lässt die natürlichen Lebensbedingungen der Tiere außer Acht, was ebenfalls Krankheiten befördert.

Das Huhn als Beispiel: Hatte ein Huhn in Deutschland früher eine Lebenserwartung von ca. 20 Jahren, wird eine Legehenne heutzutage nach ungefähr eineinhalb Jahren geschlachtet. Die Eierproduktion lässt nach dieser kurzen Zeitspanne aufgrund der extremen Ausbeutung ihres Körpers nach. Das Huhn ist erschöpft, denn durch manipulierte Lichtverhältnisse wird seine innere Uhr ausgeschaltet – mit dem gewünschten Ergebnis, dass alle Hühner gleichzeitig und das ganze Jahr über ihre Eier legen. Eine Legehenne produziert im Jahr ungefähr 300 Eier; das sind zwei bis dreimal so viel wie in der freien Natur. Ca. 5% der auf engstem Raum gehaltenen Hennen sterben innerhalb des ersten Lebensjahres an Stress oder einer Erkrankung.

Huhn ist nicht gleich Huhn. Es gibt eine Unterscheidung zwischen Legehennen für die Eierproduktion und Masthühnern für die Fleischproduktion. Die Tiere werden für ihre jeweilige Funktion genetisch so verändert, dass sie sich in Körperbau und Stoffwechsel erheblich unterscheiden. Für die männlichen Legehuhnküken hat das übrigens zur Folge, dass sie vergast oder bei lebendigem Leibe geschreddert werden – zum Essen sind sie nicht gedacht und Eier legen können sie auch nicht. Das betrifft in Deutschland jährlich rund 40 Millionen Küken.

Das „moderne“ Masthühnchen ist nach gerade mal fünf bis sechs Wochen fleischig genug und wird geschlachtet. Die tägliche Wachstumsrate ist seit 1930 um ca. 400% gestiegen; die Hühner wurden so umgezüchtet, dass sie heute in nicht einmal in der Hälfte der Zeit doppelt so schwer werden. Darüber hinaus werden die Hühner durch künstlich beeinflusste Lichtverhältnisse gezwungen, so viel Nahrung wie möglich aufzunehmen. Dieses extrem schnelle Wachstum bewirkt, dass die Hühner krank werden. Sie leiden an extrem schmerzhaften Gelenks- und Knochenerkrankungen, die Bewegungen fast unmöglich machen. PETA, die größte Tierschutzorganisation der Welt, brachte durch verdeckte Ermittlungen ans Licht, dass die Tiere darüber hinaus an Wasserentzug, Atemwegserkrankungen, Herzinfarkten und anderen schweren Gebrechen leiden. Die Krankheiten erfordern einen massiven Einsatz von Antibiotika und Pestiziden, die aber nicht verhindern können, dass fast die Hälfte (jahreszeitabhängig sogar bis zu 70%) der in Deutschland verkauften Hühner mit resistenten Bakterien verseucht sind. So nehmen wir über den Fleischkonsum nicht nur gesundheitsgefährdende Antibiotika und Pestizide auf, sondern haben es darüber hinaus mit potentiell tödlichen Krankheitserregern wie Salmonellen und Campylobacter zu tun.

Wie gut kann am Ende ein krankes, mit Medikamenten vollgestopftes Tier noch schmecken, das mit Fäkalien beschmutzt ist? Um Aussehen, Geschmack und Geruch eines gesunden Tieres möglichst nahe zu kommen, werden die Tiere um ca. 20% ihres Gewichts mit Geschmacksstoffen und Wasser aufgepumpt. Wow! Na dann: Guten Appetit!

Weitere Infos findet Ihr auch unter: https://www.vebu.de/tiere-a-ethik/tiere-und-tierhaltung/massentierhaltung

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Ernährung, Gesundheit abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s